Zwischen Nostalgie und Faszination Eine kulinarischer Streifzug durch die Kulturenvielfalt Frankfurts Kaum eine andere deutsche Stadt bietet eine so große und bunte Palette kulinarischer Angebote aus aller Welt wie Frankfurt am Main. Zahlreiche Spezialitäten- und Lebensmittelgeschäfte in nahezu allen Vierteln dieser Stadt locken mit ausländischen Lebensmitteln und exotischen Leckerbissen. Wahre Schätze findet man in den Regalen und Tiefkühltruhen dieser bunten Läden. Ob koscheren Wein aus Israel oder Erdnussbutter aus Afrika, türkische Feigenbällchen, Rotwein von der Küste Dalmatiens, spanischen Patanegraschinken oder getrockneten Stockfisch aus Portugal. Es gibt eigentlich nichts, was es hier an kulinarischen Gaumenfreuden nicht gibt. In Frankfurt scheint die ganze Welt zuhause zu sein, auch kulinarisch. Kaum eine andere deutsche Stadt beherbergt eine so große Fülle an ausländischen Geschäften. Für jeden Bürger dieser Stadt gibt es mindestens einen Laden in der eigenen Muttersprache. Diese sind nicht nur Orte, an denen man traditionelle Produkte aus der Heimat kauft, sondern auch Orte an denen man einen kurzen Schwatz in der Muttersprache hält und sich seiner eigenen Identität vergewissert. Ein wenig Nostalgie ist immer mit dabei, wenn man die Butterkekse lieber mit italienischem Aufdruck kauft als mit deutschem. Aber auch nostalgische Urlaubsheimkehrer kaufen gern diejenigen Gegenstände und Leckereien, die ihnen im Urlaub so gut gefallen haben. Andere entdecken neue Welten und versuchen sich am heimischen Herd an fernöstlichen Gerichten. Doch auch ohne den ausländischen Laden bekommt Mann oder Frau mittlerweile in jedem größeren Supermarkt eine Vielzahl an ausländischen Lebensmitteln, von fernöstlichen Köstlichkeiten, russischen Delikatessen und Mittelmeer-Genüssen bis hin zu Originalprodukten aus Amerika. Die Händler haben die Faszination der fremdländischen Spezialitäten erkannt und so findet man in vielen großen Supermärkten neben der Kasse am Ausgang beispielsweise den Italiener, bei dem man gerne ein paar Euro mehr hinblättert, um auch zuhause den original italienischen Espresso genießen zu können. Es gibt nichts, was man an Lebensmitteln nicht kaufen kann, Originalspezialitäten aus aller Welt direkt im Laden um die Ecke; kulinarischer Reichtum pur! Wer sich in Frankfurt auf einen kulinarischen Streifzug durch die zahlreichen ausländischen Tante-Emma-Läden oder Supermärkte begibt, der kann eintauchen in eine geheimnisvolle und zugleich faszinierende neue Welt, die in ihrer Vielfalt keine Grenzen kennt. Solls ein kurzer Abstecher ins Morgenland sein, mitten hinein auf einen bunten orientalischen Bazar mit frischen Fladenbroten, orientalischen Teesorten und Gewürzen, Couscous und Hammelfleisch? Oder lieber eine Reise in den Fernen Osten zu Glasnudeln, Basmatireis, Pflaumenwein und exotischen Fisch und Sojabohnen? Der Expedition in die faszinierende Welt fremder (Ess-)Kulturen steht nichts im Wege, im Gegenteil; die Reise beginnt direkt vor der Haustür, vielleicht sogar nur eine Tür weiter. Zahlreiche Restaurants und Läden laden ein zu einer Kurzreise in die kulinarische Tradition ihres Landes. Nicht mehr wegzudenken aus dem kulinarischen Repertoire sind die zahlreichen Pasta-, Pesto- und Pizzavariationen vom Italiener nebenan. Und für Hellas-Liebhaber ist der nächste Grieche mit Sicherheit auch nicht weit entfernt. Faszinierend sind auch die vielen Mexikaner , die mit Gerichten locken, dessen wohlklingende Namen eine Ahnung vermitteln von dem extravaganten Geschmack der Menues. Man muss nicht unbedingt wissen, was „Arroz mejicano a la plancha picante“ oder „Burrito di pollo“ heißt, um das Gericht genießen zu können. Außerdem klingt es doch in der Fremdsprache viel faszinierender als einfach nur „Reispfanne“. Sprachinteressierte können über das Studium der ausländischen Speisekarte zusätzlich ihre Fremdsprachenkenntnisse auffrischen. Oder wussten Sie etwa, dass die Hamburger (die zwei Brötchenhälten mit Hack dazwischen) auf Spanisch Hamburguesas heißen? Ein guter Beitrag zur Völkerverständigung, der über Einblicke in die fremde Esskultur führt. Auch ich habe als Fremde in Frankfurt das Wahrzeichen dieser Stadt, den „Ebbelwoi“ (Apfelwein), auf den die Hessen so stolz sind und um dessen sachgerechte Herstellung sich bereits Karl der Große bemühte, gekostet. Auch die berühmte Frankfurter Grüne Soße habe ich kennen und schätzen gelernt. Die Ess- bzw. Trinkkultur ist aber nur ein Teil der Kultur dieser Menschen hier und dieser Kulturlandschaft. Wie könnte ich denn behaupten, dass ich die Kultur dieser Menschen, kenne, wüsste ich beispielsweise nichts über Frankfurts berühmtesten Sohn Johann Wolfgang von Goethe, der selbst zu Lebzeiten über das weltoffene Frankfurt sagte: „Die Existenzen fremder Menschen sind der beste Spiegel, worin wir uns selber erkennen können“ und vor allem – könnte ich behaupten, ich wäre in Frankfurt zuhause, würde ich mich nicht für die hier lebenden Menschen interessieren und den persönlichen Kontakt zu ihnen pflegen? Antonia Tomljanovic-Brkic |