Ideenreich Das Generieren von kreativen Gedanken und Ideen ähnelt dem Akt des Goldwaschens. So enthält ein Flussbett viele Steine, aber nur sehr wenig Gold. Im Fluss der Gedanken ist es auch so. Bleibt man bei diesem Bild, stehen die Steine für alle Gedanken, die einem zufliegen. Zum Auffinden der Nuggets jedoch, müssen alle Steine, d.h. alle Ideen, durchsiebt werden, die im Flussbett des Geistes liegen. Die großen Genies wussten das und brachten unnachlässig zahllose Gedanken hervor, aus denen sie die Nuggets herauspickten. Leonardo da Vinci z.B. brachte so viele Ideen auf so zahlreichen Gebieten hervor, dass sie bisher noch niemand gezählt hat. Thomas Edison, der Erfinder der Glühbirne, meldete 1093 Patente an. Das ist nach wie vor die höchste Anzahl an Patenten, die einer Einzelperson zuzuschreiben sind. Pablo Picasso. Dieser kreative Gigant des 20. Jahrhunderts, schuf mehr als 20.000 Kunstwerke. Woher kommen aber nur diese genialen und zahl-reichen Ideen? Den Traum, so grandiose Kompositionen hervorzubringen wie Ludwig van Beethoven oder Johann Sebastian Bach, revolutionäre wissenschaftliche Entdeckungen zu machen wie Einstein oder Newton, wie Shakespeare oder Goethe zu dichten, wer würde diesen Traum nicht gerne Wirklichkeit werden lassen? Die meisten Menschen sind jedoch der Ansicht, dass solche Künste nur wenige Begnadete beherrschen. Dabei ist unser kreatives Potenzial und damit die Fähigkeit, unerschöpflich neue Ideen zu produzieren und weiterzuentwickeln, größer, als wir uns jemals träumen ließen. In jedem von uns schlummert mehr oder weniger der Künstler oder der Entdecker, nur kann das ein oder andere Talent aufgrund langjähriger Nichtbenutzung unterentwickelt sein. Das ist vergleichbar mit einem „geistigen Muskel“, der verkümmert ist, der aber durch beharrliches Training wieder kräftiger werden kann. Kreativ sind wir von Geburt an. Bei den meisten Menschen ist die Kreativität jedoch blockiert, weil ihnen beigebracht wurde, beim Denken nur einen bestimmten Weg zu beschreiten. Kreativität kennt aber keine Grenzen und verläuft auch nicht in nur eine Richtung. Im Gegensatz zu einem Computer denkt das menschliche Gehirn nicht linear und in Sequenzen von „Ja“ und „Nein“. Es arbeitet radial und explosiv. Daher auch das Wort Exzentriker (wortwörtlich bedeutet es: „außerhalb der Mitte“) für Menschen, die vom Normalen abweichen. Beim kreativen Denken ist das Abweichen vom üblichen Trott aber der springende Punkt. Es bedeutet Befreiung aus dem Gefängnis des linearen Denkens und Beschreiten neuer Pfade. Kreative Originalität sagt etwas darüber aus, wie anders, wie ungewöhnlich und wie ausgefallen unser Denken ist. Flexibilität im Denken gleicht körperlicher Beweglichkeit. Das bedeutet, dass unser Geist in der Lage ist, sich gewandt und mühelos in jede beliebige Richtung zu bewegen. Die meisten Menschen sehen alles nur von einem Standpunkt aus – ihrem eigenen. Ein kreativer Geist ist dagegen in der Lage, alles aus unendlich vielen Blickwinkeln zu betrachten. Diese Fähigkeit ist in vielen Lebensbereichen unabdingbar, wenn man Großes leisten will. Ein kreativ denkender Mensch hinterfragt auch bestehende Gedankenkonstrukte, er schürft bis in die tiefsten und verborgensten Winkel und Ecken. Er schwingt sich von einem Gedanken zum nächsten empor und errichtet dadurch ein Gedankengebäude, das scheinbar Unverrückbares in neuem Licht erstrahlen lässt. Kinder sind das beste Beispiel für unnachgiebigen Erkundungseifer und kreative Gedankenspiele bzw. Phantasien. Sie sind die gelehrigsten Schüler und stellen die meisten Fragen der Welt. Sie kommen auf die verblüffendsten und originellsten Gedankenverbindungen. Kurz: Sie sind die kreativsten Geschöpfe der Welt. Sie werden nicht, wie wir Erwachsenen, von stereotypen Gedanken- und Verhaltensmustern zubetoniert. Das Leben eines Kindes besteht aus einer glänzenden Perlenkette neuer Experimente und Entdeckungen. Wer das Kind in sich entdeckt, lernt völlig natürlich und ungezwungen. Wer seinem Geist den nötigen Spielraum gibt, der wird an der unerschöpflichen Quelle seiner Kreativität vielleicht einmal des Geistes funkelnden Diamanten finden. Antonia Tomljanovic-Brkic |