... still got the blues Haben Sie gewusst, dass die musikalische Gattung des Blues hergeleitet wird aus dem englischen „blue devils“ (Blaue Teufel) und dass blue (blau) hierbei symbolisch für bedrückte bzw. depressive Stimmung steht? Der englische Phraseologismus „have/get the blues“ lässt sich dementsprechend übersetzen mit „die Blauen haben/bekommen“, was soviel heißt wie „traurig, niedergeschlagen sein/werden“. Von Blues-Musikerns heißt es: „They play what they are, blue.“ (Sie spielen, was sie sind, blue - und zwar im Sinne von traurig. Blues erinnere an die Sklaverei und treibe die Tränen in die Augen. Nachkommen der Sklaven in Amerika sagen noch heute „We are the blues“ in der doppelten Bedeutung „Wir sind der Blues“ und „Wir sind die Bedrängten, Unterdrückten“. Ebenso heißt es, das Wasser des Ozeans habe sich „blau“ gefärbt, als sie aus Afrika als Sklaven verschleppt worden sind. In der Musik erinnert außerdem noch die für den Blues und ihm verwandte Gattungen relevante verminderte „blue note“ an die symbolische Bedeutung dieser Farbe. George Gershwin greift diese Bedeutung auf für den Titel seiner „Rhapsody in blue“. Die symbolische Funktion „traurig“ der Farbe blau im Englischen steht innerhalb der europäischen Sprachen jedoch isoliert da. Eine niedergeschlagene Gemütsverfassung lässt sich in anderen Sprachen eher durch die Farben schwarz und grau beschreiben, während mit blau in erster Linie Treue, aber auch Sehnsucht und Ferne assoziiert werden. Die Farbe blaue symbolisiert natürlich auch Kälte und es ist ebenfalls bekannt, dass sich längeranhaltender Kälteeinfluss auf das Gemüt niederschlagen kann. Wenn Sie beispielsweise in derletzten Zeit, ohne nennenswerten Grund, auch eine gewisse bedrückte oder gar depressive Stimmung verspürt haben oder noch verspüren, so könnte das unter anderem auch daran liegen, dass der triste Winter sich noch immer nicht so recht von uns verabschieden will und die warme Winterjacke noch eine Weile unser treuer Gefährte durch die kalte Jahreszeit sein wird. Aber der Frühling, der laut Kalender am 20. März begonnen hat, gibt uns bereits, obgleich noch sehr zaghaft, durch erste Anzeichen seine Ankunft kund. Der morgendliche, wenn auch noch etwas zurückhaltende, fröhliche Gesang der Vögel, erste Blütenknospen und hier und da ein Fleckchen grün inmitten des Graus und der winterlichen Kälte, sie sind Zeichen des neuaufkeimenden Lebens, des Erwachens nach dem langen Winterschlaf. Der Frühling bringt Wachstum, er wird gleichgesetzt mit Neuanfang und Jugend und die Farbe grün, die in der Natur dieser Jahreszeit dominant ist, symbolisiert Hoffnung. In der christlichen Symbolik verbindet sich mit ihr die Auferstehung und das ewige Leben. Auch die liturgische Farbe grün als Sinnbild des Heiligen Geistes ist in den Zusammenhang der Lebenssymbolik zu stellen. Bleibt also nur noch zu hoffen, dass der Frühling recht bald die „blauen Teufel“ vertreibt und uns auch in diesem Jahr mit Kraft und Freude aufs Neue belebt.Antonia Tomljanovic-Brkic |